„Alles sollte so einfach wie möglich gemacht werden, aber nicht einfacher“,

soll Albert Einstein einmal gesagt haben. Unser Verständnis der nahrungsbedingten Auslöser für Herzkrankheiten, hat mit der zu starken Vereinfachung von Ancel Keys begonnen. Er hat angenommen, dass alles Fett in der Nahrung (egal woher es kommt) und dessen Einfluss auf das Gesamtcholesterin den Ausschlag gibt.

Gesamtcholesterin musste in HDL und LDL aufgeteilt werden und auch die Triglyzeride wurden zur Analyse herangezogen. Das gesamte Fett in der Nahrung wurde zuerst zwischen tierischem Fett und pflanzlichen Fett unterschieden, dann in gesättigtes, einfach ungesättigtes und mehrfach ungesättigtes Fett.

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Und mehrfach ungesättigtes Fett wurde in Omega-3 und Omega-6 Fett aufgeteilt. Bis Mitte der 1980er hielt diese neue Komplexität, die großen Organisationen AHA (American Heart Association) und NIH (National Institute for Health) aber nicht davon ab, die grob Vereinfachte Empfehlung weniger Fett (egal welches) und mehr Kohlenhydrate zu „verschreiben“.

Mit der Zeit wurde aber immer offensichtlicher, dass auch LDL Cholesterin ein willkürlich gewähltes Konzept ist, dass ebenfalls eine zu starke Vereinfachung darstellt. Die Tatsache, dass  LDL und LDL Cholesterin nicht das Gleiche sind, verkompliziert die Sache noch weiter. So wie Gofman bereits 1950 in einer Studie auf unterschiedliche Lipoprotein (Cholesterin-) Fraktionen hingewiesen hat, so hat in den 1980er Ronald Krauss gezeigt, dass es verschiedene Subklassen von LDL gibt, die verschiedene Mengen an Cholesterin transportieren. Außerdem hat jede dieser Subklassen eine andere Wirkung auf Blutgefäßablagerungen. Doch leider wurden genau diese Forschungsergebnisse von den großen Organisationen bis heute weitgehend ignoriert.

Doch wie können wir jetzt die Aufteilung zwischen LDL/HDL und den diversen Subfraktionen über unsere Nahrung beeinflussen? Wie schon eingangs erwähnt sind nicht alle Fette gleich aufgebaut.

Im Jahr 1985 haben Scott Grundy und sein Kollege Fred Mattson die vermutlich beste Lösung gefunden. Ihr diätischer Ansatz half sowohl LDL Cholesterin zu senken als auch HDL Cholesterin zu erhöhen, ohne mehr Kohlenhydrate oder mehr gesättigtes Fett zu essen.

Die Lösung waren, einfach ungesättigte Fette, vor allem die Ölsäure wie sie in Olivenöl vorgefunden wird. Ancel Keys war in den 1950er noch der Überzeugung, dass Olivenöl „neutral“ ist, da es keine nennenswerte Auswirkung auf Gesamtcholesterin hat. In der Studie von Grund und Mattson wurden die Patienten in einem sogenannten Metabolic Ward, also unter Aufsicht ernährt und bekamen eine von drei Diäten, bei der jeweils 40% aus Fett bestand:

  1. Gesättigtes Fett (aus pflanzlichem Palmöl)
  2. Einfach ungesättigtes Fett (Distelöl mit hohem Ölsäure Gehalt)
  3. Mehrfach ungesättigtem Fett (Distelöl mit normalem, hohen Omega-6 Anteil)

Bei elf von zwölf  Personen, senkten die zwei Ernährungsformen ohne gesättigtem Fett, die gemessenen LDL Cholesterinwerte im Blut. Patienten hatten zwischen 17,1% und 17,7% weniger LDL Cholesterin.

Allerdings reduzierte die Diät mit dem hohem Omega-6 Anteil (mehrfach ungesättigtem Fett), den („guten“) HDL Cholesterin Anteil bei neun der zwölf  Personen. Statistisch gesehen war nur die Reduktion der HDL-C Konzentration um -5.0 +/- 1,7 mg/dl signifikant.

Fazit: Personen die mehrfach ungesättigtes Fett konsumierten, hatten im Schnitt -5.0 mg/dl HDL-C weniger im Blut, als bei der vergleichbaren Diät mit gesättigtem oder einfach ungesättigtem Fett (z.B: von einem HDL-C von 31 auf 26 herunter, was nicht gut ist).

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Im Vergleich zu Konsum von gesättigtem Fett / Grüner Hacken: Verbesserung; Rotes Kreuz: Verschlechterung; Gelb bedeutet neutral (keine Veränderung)

 

Schaut man sich die Gruppe der Personen mit erhöhten Triglyzeriden (TG über 210 mg/dl) gesondert an, so fällt auf, dass die Senkung von LDL Cholesterin nur bei der Gruppe, die einfach ungesättigtes Fett konsumierte statisch relevant war. Den Personen mit erhöhten Triglyzeriden nützte es also nicht von gesättigtem Fett auf mehrfach ungesättigtes Fett (Omega-6) umzustellen.

Wenn man sich die Grafik ansieht wird schnell klar: Wenn man bei dieser Ernährungsweise nur die Zusammensetzung vom Fett ändert, dann hat nur Olivenöl einen Vorteil auf die Blutfettwerte. Je nachdem ob die Triglyzeride erhöht sind oder nicht, ist normales Omega-6 Pflanzenöl sogar schlechter oder gerade so neutral im Vergleich zum gesättigten Fett.

In der Praxis lässt sich die Ernährung nicht so umstellen, dass alles Fett nur aus Olivenöl kommt. Die Forscher haben hier auch nicht untersucht was passiert, wenn wir die Kohlenhydrate (und damit die Triglyzeride) reduzieren. Aus anderen Studien wissen wir, dass dann der Körper bevorzugt gesättigtes Fett als Energielieferanten benutzt und damit viel weniger gesättigtes Fett im Blut ist, das besonders gefährlich ist (siehe Artikel zum Thema).

Gesättigtes Fett im Blut (aber NICHT in der Nahrung) ist ein Risikofaktor für Herz/Kreislauf Erkrankungen.

 

Tipp: Meine Tabelle mit der Zusammensetzung der wichtigsten Speisefette

Referenzen:

Comparison of effects of dietary saturated, monounsaturated, and polyunsaturated fatty acids on plasma lipids and lipoproteins in man.
F H Mattson and S M Grundy, February 1985 The Journal of Lipid Research, 26, 194-202.

The role of lipids and lipoproteins in atherosclerosis
GOFMAN, J. W et al, American Association for the Advancement of Science. Science 1950 Vol. 111 pp. 166-171; 186

Low-Density Lipoprotein Subclass Patterns and Risk of Myocardial Infarction
Melissa A. Austin, PhD Ronald M. Krauss, MD, et al
JAMA. 1988;260(13):1917-1921. doi:10.1001/jama.1988.03410130125037.

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Leo Tulipan

Leo ist erst durch das Buch Good Calories, Bad Calories so richtig bewußt geworden, wie falsch die aktuellen Ernährungsempfehlungen sind. Dass er eine "gut formulierte" Low Carb Ernährung nun schon seit 2 Jahren erfolgreich umsetzen kann, verdankt er seiner Frau Julia sowie Dr. Phinney und Dr. Volek
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