Das Thema Darm, Darmgesundheit und Verdauung ist leider ein Thema, das mit vielen Vorurteilen zu kämpfen hat. Es ist einfach nicht „sexy“. Es ist peinlich, komisch, unangenehm – es hat mit Blähungen, Stuhlgang und all diesen Dingen zu tun, über die man eben nicht gerne redet. Doch wenn uns die Forschung in den letzten Jahren eines gezeigt hat, dann dass der Darm unsere ganze Aufmerksamkeit verdient hat. Der Darm ist das interne „Ökosystem“.

„Der Tod sitzt im Darm“ – Hippokrates von Kos 460 v.Chr.

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Digestive_system_diagram_de.svg

Allgemein

Der Darm ist bei einem erwachsenen Menschen 8 Meter lang und besitzt eine Oberfläche von ca. 400-500m2.  Diese beeindruckende Größe wird durch eine Faltung des Darmrohrs (Kerckringsche Falten), durch Zottenbildung und die Ausbildung von Mikrovilli (Bürstensaum) erreicht. Dies ist notwendig um eine möglichst große Oberfläche für Verdauung und Resorption der Nahrung zu bieten (1).

Die menschliche Darmflora besteht aus 10 – 100 Billionen Bakterien. Unseren Darm bewohnen also im Schnitt 10-mal so viele Mikroorganismen (2)(3) wie wir eigene Körperzellen haben und die Besiedelung des Darms beginnt schon während der Geburt durch Kontakt mit mütterlichen Darmbakterien.

E Coli Bakterien.

Die Darmflora besteht zu 99 % aus vier bakteriellen Abteilungen (Phyla = Stämmen):

  • Firmicutes,
  • Bacteroidetes,
  • Proteobacteria und
  • Actinobacteria

Bei Menschen mittleren Alters werden im Dickdarm fast ausschließlich obligate Anaerobier (Bacteroides, Bifidobacterium, Eubacterium, Clostridium, Fusobacterium, Ruminococcus, Roseburia) gefunden, während sich die Dünndarmmikroflora hauptsächlich aus fakultativ anaeroben Bakterien wie beispielsweise Enterococcus- und Lactobacillus-Arten zusammensetzt.

 

Die Darmflora – bestimmen Bakterien über Übergewicht?

Die Lebensgemeinschaft in unserem Verdauungstrakt ist keine starre, unveränderliche Sache. Exogene Faktoren bestimmen von welchen Bakterienstämmen es mehr gibt und welche nur in geringer Anzahl vorhanden sind. Einer der Hauptfaktoren ist die Nahrung, die wir zu uns nehmen und was davon bei den Bakterien ankommt. So haben z.B. Säuglinge, die gestillt werden eine andere Darmflora als Säuglinge, die mit Flaschenmilch gefüttert werden (4)(5). Bei den gestillten Säuglingen überwiegen vor allem Bifidobakterien, welche für einen niedrigen pH-Wert sorgen und die Ansiedelung pathogener Mikroorganismen hemmt. Während bei den Babys, die mit Fertignahrung gefüttert wurden Coliformes, Enterococci, und Bacteroides überwiegen. Diese Säuglinge brauchen lange um eine natürliche Darmflora aufzubauen und sind anfälliger für Infekte.

Diese Säuglinge, die intensive Betreuung benötigen, erlangen ihre Darmflora nur langsam und die Etablierung von Bifodbakterien ist verzögert […] Muttermilch schützt die Säuglinge vor Infektionen […] (4)

Übergewicht

http://www.genome.gov/dmd/img.cfm?node=&id=79200

Es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der Art der Bakterien, die unseren Darm besiedeln und Übergewicht, was zahlreiche Studien gezeigt haben (13)(14)(15)(16). Im Tiermodell hat sich erwiesen, dass die sogenannte OP-Ratten (OR=obesity-prone; zu Übergewicht neigend) ein höheres Verhältnis von Firmicutes zu Bacteroidetes haben und eine Überbesiedelung von Chlostridium sp. aufweisen. Transplantiert man die Darmflora der übergewichtigen Ratten auf normale Ratten so werden auch diese übergewichtig.

Die veränderte Darmflora führte zu einer Reduktion der darm-assoziierten und hypothalamischen Sättigungssignale, erhöhten Appetit, Gewichtszunahme und Übergewicht und führt zu einer Zunahme von Lipogenese und Adipogenese.

Diese Verschiebung in der Zusammensetzung der Darmflora führte auch zu einer erhöhten Durchlässigkeit des Darms, was wiederum zu einem Anstieg von Entzündungsreaktionen führt. Diese Entzündungsreaktionen wurden über NF-кβ (Nuclear Factor- kappa beta) und IKKβ Signalen aus dem Fettgewebe, der Leber und dem Hypothalamus aktiviert (6).

 […] reduced intestinal and hypothalamic satiation signaling, hyperphagia, increased weight gain and adiposity, and enhanced lipogenesis and adipogenesis.[…] 

[…]Furthermore, increased gut permeability through conventionalization resulted in inflammation via proinflammatory NF-κB/IKKβ signaling in adipose tissue, liver, and hypothalamus.[…] 

Ähnliches findet sich auch beim Menschen. Bei Übergewichtigen können höhere Besiedlungsdichten von Clostridium sp. gefunden werden als bei schlanken Individuen (7).

Wie lässt sich eine Dysbiose feststellen?

Eine intestinale Fehlbesiedelung lässt sich einfach durch eine Stuhlprobe abklären. Das eigentliche Problem ist, einen Arzt zu finden der sich damit auch auskennt und ein Labor das die Untersuchung durchführen kann. Ich habe persönlich sehr gute Erfahrung mit dem Labor GanzImmun Diagnostic AG gemacht.

Ein Beispiel wie ein solcher Darmcheck aussehen kann, findet ihr hier.

Der Nachteil ist, dass Ganzimmun nur mit Ärzten zusammenarbeitet und die Test-Kits nicht an Privatpersonen verschickt. Zurzeit ist mir leider auch nur eine Ärztin in Wien/Österreich bekannt, die mit GanzImmun zusammenarbeitet. Adresse und Kontaktinfos findet ihr hier. Allerdings sollte jeder Hausarzt bei GanzImmun Test-Kits bestellen können, also vielleicht einfach den eigenen Hausarzt darauf ansprechen.

Ein anderes Labor, welches entsprechende Test-Kits verschickt, ist Verisana. Persönlich habe ich mit Verisana keine Erfahrung. Der Test an sich ist etwas teurer als bei GanzImmun. Solltet Ihr schon Erfahrungen gemacht haben, bitte ein Kommentar hinterlassen.

Welche Parameter sollten durch eine Untersuchung der Stuhlprobe erfasst werden?

  • pH-Wert
  • aerobe Leitkeime
  • anaerobe Leitkeime
  • Pilze und Schimmelpilze (Candida albicans etc.)
  • Verdauungsrückstände (Fett, Zucker, Stärke, Eiweiß)
  • Alpha-1-Antitrypsin
  • Calprotectin
  • Pankreatinelastase
  • Gallensäure
  • Sekretorisches IgA
  • Optional: Zonulin

Was kann man bei einer Fehlbesiedelung tun?

Eine Fehlbesiedelung kann vielerlei Ursachen haben und ist oft nur ein Symptom eines größeren zugrundeliegenden Problems. Meistens findet man neben einer Dysbiose auch Entzündung und eine gestörte intestinale Permeabilität (Leaky-gut Syndrom). Unter „leaky-gut“ versteht man, dass die Barrierefunktion des Darms gestört ist und es zu einem unerwünschten Übertritt von Nahrungsbestandteilen in das Blut kommt. Andere Ursachen können Lebensmittelunverträglichkeiten, Mangelernährung, Stress oder eine verminderte Verdauungsleistung sein. Wie schon erwähnt können die Ursachen mannigfaltig sein und ich werde darauf im Detail in einem bald erscheinenden Blog-Beitrag eingehen. Hier nur kurz einige Strategien, die man anwenden kann, um seine Darmflora wieder in den Griff zu bekommen.

  1. Glutenfreie/ getreidefreie Paleo Ernährung:
    Die in Getreide enthaltenen Lectine und Gluten sind belastend für den Darm und können die unerwünschte Durchlässigkeit verstärken.
  2. Jeden Tag selbst gemachte Knochenbrühe trinken, am besten in der Früh.
    Reich an Kalium, Natrium, Calcium, Phosphor, Magnesium und essentiellen Fettsäuren hilft sie die geschädigte Darmschleimhaut wieder aufzubauen. L-Glutamin findet man reichlich in Knochenbrühe (8). Ein weiterer Vorteil ist, dass all diese wichtigen Nährstoffe in einer für den Darm leicht absorbierbaren und wenig belastenden Form kommen.
    Ein Rezept für eine Knochensuppe findet ihr hier im Blog.
  3. L-Glutamin supplementieren
    L-Glutamin eine Aminosäure welche essentiell für die Aufrechterhaltung einer gesunden Darmschleimhaut ist. (9)
  4. Lactulose 5g/ Tag
    Lactulose ist ein Präbiotikum, welches in Österreich und Deutschland ohne Rezept in jeder Apotheke erhältlich ist. Das bedeutet, es ist Nahrung für die guten Bakterien in unserem Darm. Eine Supplementierung mit 5 – 10 g Lactulose pro Tag führte in nur 42 Tagen zu einem signifikanten Anstieg von Bifidobacterium (10). Die Anwendung von Lactulose führ auch zu einer Ansäuerung des Darms. Das ist erwünscht, denn in saurem Milieu fühlen sich die „bösen“ Bakterien nicht sehr wohl.  Der einzige Nachteil von Lactulose ist, dass es zu Blähungen und leichtem Durchfall kommen kann. Aber wie mein Opa immer sagte: “Was man an Ansehen verliert, gewinnt man an Gesundheit.“ 🙂
  5. Saccharomyces boulardii
    Eine Hefe, die normalerweise für die Behandlung extremer Durchfälle eingesetzt wird, zeigt noch ganz andere Qualitäten. S. bloulardii hat entzündungshemmende Wirkung und verhindert die Besiedelung des Darms mit Candida albicans, einem pathogenem Hefevertreter. Außerdem verbessert (=verringert) es die intestinale Durchlässigkeit und unterstützt die Reparatur der Darmmucosa (11)(12). S.boulardii ist unter dem Markennamen Yomogi, Perenterol oder Perocur in Deutschland und Österreich erhältlich. Rezept ist keines erforderlich.

“Was man an Ansehen verliert, gewinnt man an Gesundheit.“

Fazit

Der Darm und vor allem seine Bewohner spielen eine zentrale Rolle in der Entstehung von Übergewicht und metabolen Störungen. Ich persönlich kann einen Darmcheck nur jedem wärmstens empfehlen. Eine intestinale Dysbiose kann nicht nur dem Erfolg beim Abnehmen im Weg stehen. Mittlerweile gibt es zahlreiche Studien, die auf eine starke Verbindung zwischen einer gestörten Darmflora und diversen Autoimmunerkrankungen, psychischen Erkrankungen und sogar Autismus hinweisen.

Bei Fragen/ Anregungen/ Hinweisen einfach ein Kommentar hinterlassen oder mich per Email kontaktieren.

 

Ernährungscoaching Darm

Das Darm-Paket eignet sich für alle, die

  • an Blähungen, Durchfall und sonstigen Verdauungsproblemen leiden
  • an Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien leiden
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Im 50-minütigen Erstgespräch erfasse ich allgemeine Daten, medizinische und andere gesundheitsbezogene Probleme. Außerdem kann ich mir im Rahmen des Gesprächs ein Bild Ihres Alltags machen, spezielle Lebensumstände, berufliche Situation und ähnliches um den Ernährungsplan wirklich auf Ihre individuellen Bedürfnisse anpassen zu können.

LEISTUNGEN

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Nachdem Du den Kurs gekauft hast werde ich dich innerhalb von 48 Stunden per eMail kontaktieren und wir werden dann gemeinsam einen Termin für das Erstgespräch vereinbaren. Die Beratung kann auf Wunsch per Skype/ Facetime oder auch in Räumlichkeiten in Wien stattfinden.

KOSTEN: 399 €  Jetzt kaufen

 


Referenzen

 

(1)    Heldmaier, G. Neuweiler, G. 2004. Vergleichende Tierphysiologie-Vegetative Physiologie. Springer Verlag. p.317

(2)    Savage, D. C. (1977). „Microbial Ecology of the Gastrointestinal Tract“.Annual Review of Microbiology 
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/334036

(3)     Berg, R. (1996). „The indigenous gastrointestinal microflora“. Trends in Microbiology 4 (11): 430–5.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8950812

(4)    Dai D., Walker, WA. Protective nutrients and bacterial colonization in the immature human gut. Adv Pediatr. 1999;46:353-82. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10645469

(5)    Fanaro S1, Chierici R, Guerrini P, Vigi V. 2003 Intestinal microflora in early infancy: composition and development. Acta Paediatr Suppl. 91(441):48-55. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14599042

(6)    Duca, Frank A., et al. 2014 „Replication of obesity and associated signaling pathways through transfer of microbiota from obese prone rat.“ Diabetes. DB_131526. http://diabetes.diabetesjournals.org/content/early/2014/01/14/db13-1526.short

(7)    Ferrer, M. 2013. Microbiota from the distal guts of lean and obese adolescents exhibit partial functional redundancy besides clear differences in community structure. Environmental Microbiology. 15(1). 211–226 http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1462-2920.2012.02845.x/abstract?deniedAccessCustomisedMessage=&userIsAuthenticated=false

(8)    JD, Schulzke. Therapeutic options to modulate barrier defects in inflammatory bowel disease. Dig Dis. 2009;27(4):450-4. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19897959

(9)    Wischmeyer, Paul E. 2006. Glutamine: role in gut protection in critical illness. Current Opinion in Clinical Nutrition & Metabolic Care. 9(5): 607–612 http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16912558

(10) Bouhnik Y. 2004. Prospective, randomized, parallel-group trial to evaluate the effects of lactulose and polyethylene glycol-4000 on colonic flora in chronic idiopathic constipation. Aliment Pharmacol Ther. Apr 15; 19(8):889-99. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15080850

(11) Jawhara S. 2012. Modulation of intestinal inflammation by yeasts and cell wall extracts: strain dependence and unexpected anti-inflammatory role of glucan fractions. PLoS One. 7(7):e40648. doi: 10.1371/journal.pone.0040648. Epub Jul 27.
http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0040648

(12)  Chen X. 2013. Probiotic yeast inhibits VEGFR signaling and angiogenesis in intestinal inflammation. PLoS One. May 13;8(5):e64227. doi: 10.1371/journal.pone.0064227.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23675530

(13)  Ley RE, Turnbaugh PJ, Klein S, Gordon JI. Microbial ecology: human gut microbes associated with obesity. Nature. 2006 Dec 21;444(7122):1022-3. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17183309

(14) Turnbaugh PJ, Ley RE, Mahowald MA, Magrini V, Mardis ER, Gordon JI: An obesity-associated gut microbiome with increased capacity for energy harvest. In: Nature. 2006 Dec 21;444(7122):1027-31. http://www.nature.com/nature/journal/v444/n7122/abs/nature05414.html

(15) Bäckhed F, Manchester JK, Semenkovich CF, Gordon JI. Mechanisms underlying the resistance to diet-induced obesity in germ-free mice. Proc Natl Acad Sci U S A. 2007 Jan 16;104(3):979-84. Epub 2007 Jan 8. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17210919

(16) Bäckhed F, Ding H, Wang T, Hooper LV, Koh GY, Nagy A, Semenkovich CF, Gordon JI. The gut microbiota as an environmental factor that regulates fat storage. Proc Natl Acad Sci U S A. 2004 Nov 2;101(44):15718-23. Epub 2004 Oct 25. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15505215

 


GanzImmun Ärzte:

Therapiezentrum Millergasse

Millergasse 40/5

1060 Wien

Dr. med. Beatrix Thunn-Hohenstein

Kontaktdaten

Telefon: +43 (0)1 595 10 10
E-Mail: [email protected]
Homepage: www.thunn-hohenstein.at

 

Photo by mojzagrebinfo (Pixabay)

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Julia Tulipan ist Biologin (Mag.) und Personal Fitness and Health Trainer (Dipl.) und schreibt für verschiedene Online-Magazine und für ihr eigenes Blog paleolowcarb.de vor allem zu den Themen gesunde und artgerechte Ernährung und Bewegung. Julia hat selbst lange mit ihrer Gesundheit gekämpft. So wurde ihr Interesse an gesunder Ernährung geweckt. Seither hat sie sich mit Low Carb und der Paleo-Ernährung Stück für Stück mehr Lebensqualität zurück erkämpft. Heute verhilft sie auch als Food-Coach und Personal Trainerin anderen zur Topform. Von Julia kannst Du Dich hier individuell beraten lassen.
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