Unilever ist einer der größten Lebensmittelproduzenten, und bei uns vor allem durch die Marke Rama bekannt. Seit kurzem gibt es nun auch in Österreich Margarine mit Butter. Wir schauen uns einmal die Werbeversprechen und die aktuelle Wissenschaft an. Ist es Zeit Margarine ein für alle mal vom Menüplan zu streichen?

 

Rama mit Butter Werbung (c) Unilever

Begonnen hat es in Deutschland. Im Herbst wurde dort Rama mit Butter eingeführt. Jetzt kommt sie auch zu uns. Es handelt sich dabei um ein Streichfett mit 21% Butteranteil. Der Rest wird Online grob mit „Pflanzenöl“ umschrieben. Eine genaue Inhaltsangabe fehlt. Es ist also sehr wahrscheinlich, das hier günstig am Weltmarkt z.B: Sojaöl und Palmöl eingekauft wird. Der Unilever Food Präsident, Antoine de Saint-Affrique, spricht von einer fundamentalen Kehrtwende. Unilever sieht bereits eine Verschiebung in den Vorlieben und der Nachfrage durch die Konsumenten.

Wenn also einer der größten Produzenten von Margarine (Rama, Becel, Lätte und Thea sind alles Marken von Unilever) umschwenkt, was steckt dann dahinter?

Antwort: Die Wissenschaft und der Konsument

 

Pro Kopf Butter Konsum hat 2012 in den USA ein 44-Jahre Hoch erreicht. Gleichzeitig hat Margarine ein 70-Jahre tief erreicht, wie Bloomberg berichtet. Jahrelang haben die Konsumenten immer mehr auf industriell produzierte Streichfette gesetzt. Doch jetzt wollen wir mehr natürliche Lebensmittel.

Als Gesellschaft haben wir eine richtige Angst vor Fett entwickelt. Wir wurden fälschlicherweise gewarnt, dass gesättigte Fette, wie sie auch in Butter vorkommen, unsere Arterien verstopfen und zu Herzinfarkt und Schlaganfall führen. Cholesterin in der Nahrung, das nur aus tierischen Produkten stammen kann, wurde ebenso vertäufelt. Als Folge davon wurden viele überzeugt auf Margarine und Pflanzenfette zu wechseln. Dies, so wurde uns versichert, ist viel gesünder.

Gesättigte Fette und Cholesterin sind Bestandteil von ursprünglichen Lebensmittel wie Butter, Fleisch und Eiern und sind seit ewigen Zeiten Teil unserer Ernährung. Theoretisch sollten wir also gut daran angepasst sein. Industriell hergestellte und verarbeitete Fette hingegen sind eine sehr neue Erfindung.

Schauen wir uns nun gemeinsam an, ob die weitläufig verbreitete Meinung einer genauen Prüfung standhält.

Eine Studie, die im Februar 2013 im British Medical Journal veröffentlicht wurde versucht diese Frage zu klären[1]. 

Die Wissenschaftler haben dazu Daten der Sydney Diet Heart Study analysiert. Sie untersuchte 458 Männer im Zeitraum zwischen 1966 und 1973. 221 Männer bekamen im Rahmen der Studie eine besondere Beratung, wie sie die Aufnahme von mehrfach ungesättigten Fetten auf ca. 15% ihrere Kalorie erhöhen können. Gleichzeitig wurde gesättigtes Fett auf unter 10% und Cholesterin auf 300mg pro Tag eingeschränkt. Die Teilnehmer bekamen dazu Distelöl und Distelölmargarine von den Forschern. Alle anderen Aspekte, die nichts mit der Ernährung zu tun hatten wurden bei beiden Gruppen gleichgehalten.

Die Männer, die alle bereits eine Herzkrankheit hatten, wurden alle 6 Monate erneut untersucht. 63 Männer starben während dieser Zeit. In der Distelöl Gruppe war die Gesamtsterblichkeit mit 17,6% deutlich höher als in der Vergleichsgruppe mit 11,8%. Das entspricht einer 50% höheren Todesrate.

Die Forscher und die Diskussion im British Medical Journal gehen auf die Mechanismen ein, die hinter der Gefährlichkeit liegen.

Diestelöl wurde gewählt, weil es fast ausschließlich aus Linolsäure, einer Omega-6 mehrfach ungesättigten Fettsäure besteht. Zusätzlich enthielt die damals verwendete Margarine vermutlich 25%-40% Transfette, was zusätzlich schädigend ist.

Zwischenprodukte von oxidierte Linolsäure, sogenannte OXLAMs, sind die größte Gruppe der Fettsäuren, die in LDL-Partikeln im Blut vorkommen. Solche oxidierten LDL- Partikel sind von ihrem arterienschädigenden Potential deutlich schlimmer als “normale”  LDL-Partikel.

Als die Forscher nun diese Studie mit zwei weiteren Studien zusammengeführt haben, zeigt sich für Omega-6 Fette das gleiche Ergebnis. Nur Teilnehmer, die gemischte mehrfach ungesättigte Fette, nämlich Omega-3 und Omega-6 verwendeten hatten eine niedrigeres Herzkrankheitenrisiko.

Tierisches Fett durch Pflanzenfett zu ersetzen führt zwar zu einer Verbesserung diverser Blutwerte, jedoch im schlimmstenfall zu einer 50% höheren Sterblichkeit. Selbst die Kritiker der Studie, wie Professor Gutierrez, schreiben:

Die viel wichtigere Frage, die sich aus dieser Studie stellt, ist, warum eine Ernährungsanpassung zwar alle üblichen Stellvertreter Werte im Blut (“surrogate markers”) verbessert, aber die Gesamtsterblichkeit nicht reduziert?

Eine Meta-Analyse, die mehrere Studien gesamt betrachtet, kommt zum Theme gesättigtem Fett in der Nahrung zu folgendem Ergebnis [2]:

Eine Meta-Analyse […] zeigt, das es keinen signifikanten Beweis für den Schluss gibt, das gesättigtes Fett in der Nahrung mit einem erhöhtem Risiko für Koronare Herzkrankheit oder Herz-Kreislauferkrankungen zusammenhängt.

Wenn es um den Cholesterin-Spiegel geht, dann sind Eier und deren durchwegs positive Eigenschaften („trotz“ hohem Cholesterin) gut erforscht. Mehr dazu in meinem Beitrag zu den Ernährungsmythen hier. Auch zu gesättigtem Fett habe ich dort weiter Studien zusammengefasst.

Die Rama-Website selbst hat nur einige wenige Werbeversprechen:

Mit einem Butteranteil von 21 % verbindet die Melange-Variante Rama mit Butter das Beste der Butter mit dem Guten der Rama. Denn sie schmeckt nicht nur köstlich, sondern enthält auch gutes Pflanzenöl und ist auch gekühlt streichzart. 

Meine Übersetzung dieser Aussage:

  • Das Beste der Butter:
    Gute tierische Fette. Außerdem ein laktosefreies Milchprodukt
  • Das Gute der Rama:
    Nicht mit der aktuellen Wissenschaft übereinstimmende Gesundheitsaussagen in der Vergangenheit
    Streichfähigkeit des Pflanzenöls auch bei kälteren Temperaturen (direkt aus dem Kühlschrank)
    Günstige Anschaffung von „Pflanzenöl“ am Weltmarkt ohne genauer Kennzeichnung, welche Öle in welchen Anteilen verwendet werden
  • Schmecke […] köstlich
    Dank dem, für Margarine, hohen Butteranteil
  • Gekühlt streichzart
    Der einzige „echte“ Vorteil von Pflanzenfett

Ein Ersetzen von Butter in der Nahrung durch Margarine führt also nicht zum gewünschten Ergebnis. Deshalb wählen immer mehr Konsumenten mit ihrem Geldbörsel und kaufen natürliche Butter, am besten grasgefüttert und Bio (mehr dazu hier)

 


 

Referenzen:

  1. Ramsden CE, et al: Use of dietary linoleic acid for secondary prevention of coronary heart disease and death: evaluation of recovered data from the Sydney Diet Heart Study and updated meta-analysis. British Medical Journal, 2013 Feb 
  2. Patty W Siri-Tarino, et al: Meta-analysis of prospective cohort studies evaluating the association of saturated fat with cardiovascular disease. American Journcal of Clinical Nutrition, January 2010 (PDF Link) 

 

Update 10.02:

 

Werbeversprechen eingefügt. Butteranteil auf 21% korrigiert

The following two tabs change content below.

Leo Tulipan

Leo ist erst durch das Buch Good Calories, Bad Calories so richtig bewußt geworden, wie falsch die aktuellen Ernährungsempfehlungen sind. Dass er eine "gut formulierte" Low Carb Ernährung nun schon seit 2 Jahren erfolgreich umsetzen kann, verdankt er seiner Frau Julia sowie Dr. Phinney und Dr. Volek
Message Us

Pin It on Pinterest

Shares

E-Mail Newsletter & Paleo Einsteiger Kurs

In einer Woche das 1x1 der Steinzeit Ernährung und der Kohlenhydratreduzierung kostenlos über meine Kursplatform kennenlernen.

Du hast dich erfolgreich angemeldet! Schau in deinen Posteingang, um die Anmeldung zu bestätigen.

E-Mail Newsletter & Paleo Einsteiger Kurs

In einer Woche das 1x1 der Steinzeit Ernährung und der Kohlenhydratreduzierung kostenlos über meine Kursplatform kennenlernen.

Du hast dich erfolgreich angemeldet! Schau in deinen Posteingang, um die Anmeldung zu bestätigen.