Als „adaptogen“ werden Substanzen bezeichnet, die eine regulierende Wirkung auf den Organismus haben und zu einer Wiederherstellung des Gleichgewichts (Homöostase) beitragen. Adaptogene Substanzen finden vor allem in der Normalisierung und Regulation von Stressreaktionen und hormonellen Dysbalancen Anwendung.

Das Konzept der adaptogenen Wirkstoffe kommt aus der traditionellen Europäischen, Chinesischen und Indischen Medizin. Es gibt zahlreiche Studien, die eine Wirksamkeit zeigen. Die Datenlage ist allerdings nicht eindeutig.

Die European Medicines Agency, äußerst, sich in einer 2008 veröffentlichen Stellungnahme[1], wie folgt: „[…] das Konzept bedarf weiterer klinischen und präklinischen Studien und wird daher nicht in die allgemeine Terminologie aufgenommen.“ Allerdings sagt die European Medicines Agency im selben Artikel, dass „das Konzept der Adaptogene ist dahingehen ausreichend beschrieben, um es in der Beurteilung von traditionellen Kräutern anzuwenden“.

Ashwagandha

Ashwagandha (Withania somnifera, fam. Solanaceae) wird auch als indischer Ginseng bezeichnet und ist vor allem auf Grund seiner stressmodulierenden Eigenschaften interessant. In Indien ist Ashwagandha als feines Pulver erhältlich und wird üblicherweise in Honig, Ghee oder Tee eingerührt. Als Nahrungsergänzungsmittel ist Ashwagandha bei uns meist in Kapselform zu finden.

ashwagandha

Quelle: Wikipedia Commons: Wowbobwow12

 

In Ashwagandha konnten mehrere chemische Komponenten isoliert werden[2], die in Experimenten, Reaktionen auf Stress verbessert haben[3] und auch modulierend auf das Immunsystem wirkten[4].

Eine randomisierte, Placebo-kontrollierte Studie aus 2012 an 64 Patienten mit chronischem Stress, zeigte eine signifikante Verbesserung des Stressempfindens und der Cortisolwerte im Serum[5].

Eine Review-Studie aus 2014, kommt zu dem Schluss, dass die bis dato vorliegenden Studien zu inhomogen sind um eindeutige Schlüsse zuzulassen. Verwendete Methoden, Dosierungen und eventueller Bias der Forscher erschweren einen Vergleich[6].

Fazit

Nichts desto trotz scheint es mir persönlich Wert, diese Pflanze auszuprobieren. Giftigkeit ist bei üblicher Dosierung nicht bekannt und Nebenwirkungen treten kaum auf. Das heißt, das Risiko hält sich wirklich in Grenzen und wenn die Alternative Psychopharmaka sind, die teilweise schwere Nebenwirkungen mit sich bringen können, finde ich, ist es einen Versuch wert.

Rhodiola Rosea

 

Rhodiola rosea, auch als Rosenwurz bezeichnet, ist eine ausdauernde sukkulente Pflanze, die vor allem in den kalten Regionen der Erde zu Hause ist. Sie bildet eine knollige Wurzel, welche einen charakteristischen rosenartigen Geruch besitzt, daher auch der Name. In Sibirien wird die Pflanze auch als „Goldene Wurzel“ bezeichnet, weil sie Leistungsfähigkeit und Stressabbau verbessern soll.

rhodiola_rosea

Quelle :Wikipedia Commons Finn Rindahl

 

Rhodiola wird als wirksames Mittel bei chronischem Stress schon länger untersucht. Als Wirkmechanismen werden verschiedene Möglichkeiten diskutiert.  Möglicherweise kommt es zu Änderungen des Serotonin- und Dopamin-Niveaus, oder eine bessere Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke für Neurotransmittervorstufen[7].

Die European Medicines Agency  kam zu dem Schluss,

dass die Studien in ihrer Qualität sehr stark schwanken und daher keine ausreichenden Beweise für eine therapeutische Wirksamkeit vorlägen. Da aber die Ergebnisse der klinischen Studien den Gebrauch in bestimmten Anwendungsgebieten plausibel mache und Rosenwurz in der Naturmedizin seit langem zum Einsatz komme, wird bei gleichzeitigem Fehlen gravierender Nebenwirkungen das Nutzen-Risiko-Verhältnis für die Anwendung zur vorübergehenden Linderung von Stresssymptomen wie Erschöpfung und Schwächegefühl als positiv beurteilt[8].

In einer Studie, die 2013 im Journal of Strengh and Conditioning Research, erschienen ist,  verringerten 3 g Rhodiola Extrakt die Herzrate bei submaximaler Belastung und verminderte die gefühlte Belastung[9].

 

Fazit

Ich schließe mich da der EMA an. Das Verhältnis von Nutzen zu Risiko ist sehr positiv. Rhodiola rosea scheint stressmodulierende Eigenschaften zu besitzen und gerade die zahlreichen Studien aus dem Sportbereich sind vielversprechend.

 

 


 

[1] EMEA/HMPC/102655/2007. Reflection Paper on the Adaptogenic Concept. European Medicines Agency, London, 8 May 2008.

[2] Scientific basis for the therapeutic use of Withania somnifera (ashwagandha): a review. Mishra LC, Singh BB, Dagenais S. Altern Med Rev. 2000 Aug; 5(4):334-46.

[3] Bhattacharya SK, Goel RK, Kaur R, Ghosal S. Anti – stress activity of Sitoindosides VII and VIII. New Acylsterylglucosides from Withania somnifera. Phytother Res. 1987;1:32–37.

[4] Ghosal S, Srivastava RS, Bhattacharya SK, Upadhyay SN, Jaiswal AK, Chattopadhyay U. Immunomodulatory and CNS effects of sitoindosides IX and X, two new glycowithanolides form Withania somnifera. Phytother Res. 1989;2:201–206.

[5] Chandrasekhar, K., Jyoti Kapoor, and Sridhar Anishetty. „A prospective, randomized double-blind, placebo-controlled study of safety and efficacy of a high-concentration full-spectrum extract of ashwagandha root in reducing stress and anxiety in adults.“ Indian journal of psychological medicine 34.3 (2012): 255.

[6] Pratte, Morgan A., et al. „An Alternative Treatment for Anxiety: A Systematic Review of Human Trial Results Reported for the Ayurvedic Herb Ashwagandha (Withania somnifera).“ The Journal of Alternative and Complementary Medicine 20.12 (2014): 901-908.

[7] Gregory S. Kelly, ND,: Rhodiola rosea: a possible plant adaptogen.. In: Alternative Medicine Review. 6, Nr. 3, 2001, S. 293–302

[8] Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC): Assessment report on Rhodiola rosea L., rhizoma et radix (PDF; 259 kB), 27. März 2012.

[9] Noreen, Eric E., et al. „The effects of an acute dose of Rhodiola rosea on endurance exercise performance.“ The Journal of Strength & Conditioning Research 27.3 (2013): 839-847.

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Julia Tulipan ist Biologin (Mag.) und Personal Fitness and Health Trainer (Dipl.) und schreibt für verschiedene Online-Magazine und für ihr eigenes Blog paleolowcarb.de vor allem zu den Themen gesunde und artgerechte Ernährung und Bewegung. Julia hat selbst lange mit ihrer Gesundheit gekämpft. So wurde ihr Interesse an gesunder Ernährung geweckt. Seither hat sie sich mit Low Carb und der Paleo-Ernährung Stück für Stück mehr Lebensqualität zurück erkämpft. Heute verhilft sie auch als Food-Coach und Personal Trainerin anderen zur Topform. Von Julia kannst Du Dich hier individuell beraten lassen.
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