DEFENSIO

Originalartikel: http://edubily.de/2016/05/low-carb-studie-abnehmen/

Meine Video-Antwort auf Facebook findest du am Ende dieses Artikels…

Als jemand, der sich, mit Videos, Artikel, etc…  in der Öffentlichkeit bewegt und Konventionen in Frage stellt, ist es mir durchaus bewusst, dass Kritik, sowohl an der eigenen Person, als auch an meinen Aussagen zu erwarten ist. Allerdings kommt es immer auf das WIE an.

Das Chris von edubily.de eine „besondere“ Art hat, Themen aufzubereiten ist mir bekannt. Sarkasmus und Ironie können ein wichtiges Stilmittel sein, um gewisse Punkte rüber zu bringen. Ob es immer angebracht ist, das liegt im Auge des Lesers. Mein persönlicher Stil ist es nicht, das muss ich ganz ehrlich sagen. Ich finde, dass es den Weg für einen konstruktiven Diskurs verschließt.

Wie sagt man so schön: Der Ton, macht die Musik….

Und hier komme ich zu meinem ersten Punkt (die Textauszüge aus dem Original-Artikel von Chris sind als Quotes, eingerückt, dargestellt.)

Etikette und richtiges Zitieren

Wer sich im Zuge einer Kritik oder Satire auf einen Artikel, Video oder Ähnliches bezieht, sollte den Namen und die Originalquelle angeben. Nur so hat der Leser die Möglichkeit, sich eine eigene Meinung zu bilden und die Kritik im Kontext zu sehen.

Also, anstatt mich ausschließlich als „Influencer“ zu bezeichnen, was mich ehrlich gesagt ehrt, wäre es angebracht gewesen, das Video zu verlinken. Dadurch hättest du mir auch die Chance gegeben, direkt darauf aufmerksam zu werden und nicht erst „hintenrum“ durch Follower darauf hingewiesen zu werden.

Mir ist es gerade vorgestern wieder passiert. Schwups bin ich auf der Seite eines „Influencers“ gelandet, der uns in einem Video erklärt, wie viel Zucker (!!!) in einer bestimmten Menge Spaghetti enthalten ist. Während des Videos wundert sich der Darsteller noch, warum auf der Packung lediglich eine geringe Zucker-Menge auftaucht. Die Portion Spaghetti wird im Anschluss verglichen mit einer gewissen Stückzahl Zuckerwürfel.

Natürlich kann man somit ein paar Leser beeindrucken. Zu viele!

Jede Simplifizierung ist im Grunde falsch

Ich kann in einem zwei Minuten dauernden Facebook Video nicht auf Mono- Di – und Polysaccharide eingehen. Die Zuckerwürfel sind natürlich nur symbolhaft für Glucose. Hättest du weniger Probleme gehabt, wenn ich 20 Teelöffel Traubenzucker aufgehäuft hätte?

Es mag sein, dass deine Leser 80 g Glucose in ihren Muskeln und in der Leber speichern können. Aber das ist nicht der Großteil meiner Followers.

Ob diese Menschen auch wissen, dass in einem Körper gut und gerne die Kohlenhydrat-Menge aus einem Kilogramm Spaghetti gespeichert werden kann? Dass das eine gängige, täglich millionenfach angewandte Praxis bei Sportlern ist?

Ob und in welcher Form die Praxis den Carbo-Loadings auch für Sportler Sinn macht, möchte ich jetzt nicht diskutieren. Das ist auch nicht Thema meines Videos gewesen. Nur weil viele Leute etwas machen, heißt das noch lange nicht, dass es gut ist, oder das es das einzige Richtige ist. Viele Leute rauchen, ist es deswegen empfehlenswert? Dieses Argument sagt überhaupt nichts aus.  Das nenn man auch – Argumentum ad populum – eine retorische Taktik, auch Autoritätsargument genannt.

Die Fähigkeit zur Speicherung von Kohlenhydraten als Glykogen, nicht als Fett. Das ist normal. Wenn der Körper das nicht mehr kann, dann ist er krank. Verstanden? Krank ist nicht Normal.

Die WHO empfiehlt eine maximale Aufnahme von 25g Zucker. Das entspricht 6 Teelöffel. Ebenso die AHA (American Heart Assoziation)[i]. Es geht hier um jede Art von Zucker, sowohl zugesetzter als auch natürlich vorkommender.

Rund 70 Prozent der Männer und 50 Prozent der Frauen in Deutschland sind übergewichtig, jeder fünfte Deutsche ist fettsüchtig (BMI 30 und darüber)[ii].

Der Großteil der Bevölkerung ist metabolisch geschädigt. Meine Zielgruppe sind nicht die 5% Ultramarathonläufer und Iron Man Athleten, sondern genau diese Menschen, deren Körper eben nicht mehr „normal“ auf Zucker reagieren. Auch ob es sinnvoll ist sich jeden Tag 400g Zucker reinzuziehen, bis der Körper eben an seine Grenzen kommt ist auch eine Frage, die ich offenlassen möchte.

Das Schlimmste ist, dass im Video nicht einmal klar definiert wird, was der Unterschied zwischen Zucker und Glukose ist. Stattdessen wird darauf verwiesen, dass es dem Körper völlig egal ist, woher die Glukose kommt.

Warum ich nicht auf den Unterschied zwischen Glucose und Sucrose eingehe, habe ich eingangs schon erwähnt. Erstens zu viel Details für diese Art von Video, hier zu gibt es detaillierte Artikel und Vorträge auf meiner Kursplattform, die mehrere Stunden dauern. Zweitens bin ich der Meinung, und habe auch die persönliche Erfahrung mit vielen Klienten, dass es für die meisten tatsächlich keinen Unterschied macht. Eben weil sie bereits metabolisch geschädigt sind.

Woher die Glucose kommt, ist der Zelle wirklich egal.

Auf derselben Internetseite kann man sich das Dr.-Lustig-Video anschauen, wo der Unterschied ja genauestens definiert wird. Ob sich der Influencer seine eigenen Referenzen überhaupt anguckt?

Dr. Lustig spricht über den Unterschied von Fructose und Glucose. Nicht darüber, ob es Unterschiede zwischen Glucose aus Spaghetti und  aus Zuckerwürfeln gibt. Ich habe nicht behauptet, dass es egal ist ob man Fructose oder Glucose zu sich nimmt. Vielleicht solltest Du dir vorher anschauen, in welchem Zusammenhang das Video von Dr. Lustig gepostet wurde.

hier noch einmal der Grund, warum die Zucker-Menge, die wir auf der Spaghetti-Packung finden, so niedrig ausfällt: Spaghetti besteht aus Stärke. Stärke wiederum besteht aus Glukose. Zu einem kleinen Teil ist auch Zucker enthalten, der in der Fachsprache Saccharose heißt.

Das hätte ich auch in einem nächsten Video sicher getan. Ich habe gelernt, dass man auch zu „nicht-Wissen“ stehen soll. Ich habe nie behauptet die Antwort auf alle Fragen zu haben. In dem Fall habe ich es mir zwar gedacht, wollte es aber noch recherchieren, weil das mit der Lebensmittelkennzeichnungsverordnung zu tun hat. Was muss wirklich als Zucker angegeben werde? Wenn du alle Verordnungen im Kopf hast, dann „Gratulation“ – ich habe es nicht.

Unterschied zwischen Zucker und Zucker – genau das ist auch mein Problem

Ich stimme dir voll und ganz zu, dass die Vereinfachung mit dem Wort Zucker, nicht ideal ist. Aber eigentlich wollte ich genau darauf hinweisen. Dass eben, auch wenn nur 2,3 g Zucker draufsteht, der Rest auch Zucker ist. Halt Glucose und nicht Sucrose. Es geht nur darum, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln.

Warum ist Stärke, vor allem aus hoch verarbeiteten Produkten wie Spaghetti, sehr wohl ein Problem?

Was ist Stärke: Glucosemoleküle in langen Ketten aneinandergereiht

Schauen wir uns die Menschen an, deren Leben davon abhängt, den genauen Anteil der verfügbaren Kohlenhydrate in Lebensmittel zu kennen – nämlich Typ 1 Diabetiker. Was messen wir im Blut – Blutzucker. Was ist Blutzucker? Glucose.

Stärke besteht aus langen Ketten von vielen Glucosemolekülen. Diese Ketten können nicht über den Bürstensaum der Endothelzellen absorbiert werden. Nur einzelne Moleküle können aufgenommen werden. Darum zerteilt (durch enzymatische Spaltung) der Körper die Stärkekette in die einzelnen Glucosemoleküle. Diese Glucosemoleküle haben kein Mascherl dran. Glucose ist Glucose. Der Blutglucose Anstieg kann dann gemessen werden und entsprechend Insulin exogen zugeführt werden.

monosccharide

polysaccharide_striktur

 

Ich habe das „leichtsinnigerweise“ in Form von Zuckerwürfeln dargestellt, weil es –  bildlich und plakativ ist. Schuldig im Sinne der Anklage.

Mein Ziel ist es aufzuklären und so viele Menschen wie möglich zu erreichen. Mit Strukturformeln ist das schwer. Sie haben ihren Platz und wer sich da vertiefen möchte, kann das in den zahlreichen Blogartikeln und Kursen tun.

Ich werde auch weiterhin „Simplifizierungen“ verwenden, auch wenn man immer in Gefahr läuft vielleicht zu über-simplifizieren. Einfach aus dem Grund, weil ich denke, dass man Schaden und Nutzen abwägen muss.

Wie viel Schaden kann ich anrichten, wenn jemand nun glaubt, dass 20 Stück Würfelzucker in Spaghetti sind? Oder wie viel prä-diabetischen Menschen kann genau das helfen, nicht zum Diabetiker zu werden? Ich habe für mich eine Entscheidung getroffen, mit der ich leben kann. Ich denke, ich kann damit mehr Nutzen als Schaden anrichten.

Zum Thema „Halbwahrheiten und populistischen Aussagen“

Das Problem mit der Moral-Keule ist, dass man sich an seine eigenen Standards halten sollte. Sonst wird man einfach nur unglaubwürdig. Aussagen wie „Der Genickbruch für Low-Carb“, ist das etwa nicht populistisch? Warum ist dir dieses Mittel erlaubt und anderen nicht?

Periscope Videos von einer Poster-Session als die „ultima Ratio“ und das letzte Wort zum Thema LC zu platzieren ist ebenfalls populistisch und unwissenschaftlich. Du solltest darauf hinweisen, dass die erwähnte Studie:

  1. Noch nicht peer-reviewed ist
  2. Der Titel als auch das Abstract der Studie eine vollkommen andere Conclusio präsentiert
    Der Titel: Energy Expenditure Increases Following An Isocaloric Ketogenic Diet In Overweight And Obese Men
    Conclusio: Therefore, an isocaloric ketogenic diet was associated with increased energy expenditure of ~100 kcal/d.
    Remember, an energy expenditure increase on an isocaloric diet = a metabolic advantage.
    Hier nachzulesen: http://www.worldobesity.org/what-we-do/events/ico/intconob2016/ico-16-programme/scientific-programme/
  1. Die Studie wurde an kranken Menschen durchgeführt – also genau jene Gruppe, auf die du dich nie beziehen würdest. Vielleicht ist es ja bei kranken Menschen anders?
  2. Nicht randomisiert. Es war eine Pilot-Studie
  3. Es ging in der Studie nicht um die „Insulinhypothese“ wie das Chris, in seinem Artikel, und auch Hall im Video sagen, sondern um die „A calories is a calorie“ Hypothese. So steht es im Abstract der StudieContrary to the view that “a calorie is a calorie” whereby the ratio of dietary carbohydrate to fat has a negligible effect on energy expenditure if protein and energy intake are clamped, it has been hypothesized that habitual consumption of a high carbohydrate diet sequesters fat within adipose tissue resulting in adaptive suppression of energy expenditure. Isocaloric exchange of dietary carbohydrate for fat is therefore predicted to increase energy expenditure and fat oxidation resulting in body fat loss. To test these predictions, 17 overweight or obese men were admitted to metabolic wards and consumed a high carbohydrate diet for 4 weeks immediately followed by 4 weeks of an isocaloric ketogenic diet with clamped protein. The subjects lost weight and body fat throughout the study corresponding to an overall negative energy balance amounting to ~300 kcal/d. The ketogenic diet coincided with a rapid and persistent decrease in respiratory quotient (mean±SE; -0.111±0.003, p<0.0001) along with increased total energy expenditure (+57±13 kcal/d, p=0.0004) and sleeping energy expenditure (+89±14 kcal/d, p<0.0001) measured by metabolic chambers. Energy expenditure measured by doubly labeled water increased by 151±63 kcal/d (p=0.03). Body fat loss slowed during the first 2 weeks of the ketogenic diet and coincided with increased protein utilization and loss of fat-free mass. Therefore, an isocaloric ketogenic diet was associated with increased energy expenditure of ~100 kcal/d.

ClinTrails Studien Zusammenfasseung
https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT01967563?term=kevin+hall&rank=2

 

Wer den Schnabel aufmachen und anderen eine Geschichte erzählen will, der sollte es mit ordentlicher Beweisführung tun. Daran scheitert es dann immer.

Den Ratschlag kann ich nur zurückgeben. Lieber mal vor der eigenen Türe kehren, bevor man Leute persönlich angreift.  Kein Link zum meinem Video, Kein Link zur Konferenzseite wo man den Abstrakt lesen kann! Da hapert es wohl auch etwas mit der Beweisführung?!

Kritisieren ohne zu beleidigen

Es gibt nämlich einen Unterschied. Man muss andere Leute um sich herum nicht gleich beleidigen nur, weil man nicht der gleichen Meinung ist. Das ist vollkommen deplatziert in einem wissenschaftlichen Diskurs. Übrigens, das Gleiche gilt auch für Sarkasmus – also schreibst du einen seriösen Blog, mit wissenschaftlichen Anspruch, oder eine Satire-Seite?

Betreffend „ordentliche Beweisführung“ dazu gehört auch Periscope Videos von Postersessions zu posten ohne auf die schon erwähnten Einschränkungen einzugehen.

Das, was eine emotionale Reaktion in mir auslöst, sind die vielen, vielen Leute, die da Applaus klatschen. Und sich dann auch nicht schämen, ihr neu erworbenes Wissen auf andere Seiten zu klatschen und die Botschaft weiterzutragen. Völlig ohne Hintergrundwissen oder differenzierte Analyse (dafür müsste man ja auch mal Nicht-Low-Carb-Lektüren und -Internetseiten lesen).

Wie andere Leute mit der Information umgehen, liegt in der Verantwortung des Einzelnen. So ist das in der Demokratie und das ist das Blöde an freier Meinungsäußerung.  Wenn Leute nach deinem emotionalen und vollkommen unseriösen Artikel, jetzt mit stolzgeschwellter Brust „Das Ende der Low-carb Lüge“ herumposaunen – hast du da was dagegen? Oder gelten für dich andere Regeln?

Abschließend möchte ich sagen, dass ich schade finde, dass Du deine Zeit und Dein Potential, damit verschwendest, Gift zu versprühen. An vielen Deiner Artikel sieht man, dass Du Wissen über, und Passion für das Thema hast. Schrieb wertvolle Artikel für Deine Leser und Deine Zielgruppe – und sei nicht der i-Tüpfelchenreiter.


[i] Johnson, Rachel K., et al. „Dietary sugars intake and cardiovascular health a scientific statement from the american heart association.“ Circulation 120.11 (2009): 1011-1020.

[ii]Statistisches Bundesamt https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2014/11/PD14_386_239.html

Video-Antwort auf meiner Facebook Seite:

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Julia Tulipan ist Biologin (Mag.) und Personal Fitness and Health Trainer (Dipl.) und schreibt für verschiedene Online-Magazine und für ihr eigenes Blog paleolowcarb.de vor allem zu den Themen gesunde und artgerechte Ernährung und Bewegung. Julia hat selbst lange mit ihrer Gesundheit gekämpft. So wurde ihr Interesse an gesunder Ernährung geweckt. Seither hat sie sich mit Low Carb und der Paleo-Ernährung Stück für Stück mehr Lebensqualität zurück erkämpft. Heute verhilft sie auch als Food-Coach und Personal Trainerin anderen zur Topform. Von Julia kannst Du Dich hier individuell beraten lassen.
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