Wir alle neigen dazu, uns von eindrucksvollen Bildern beeindrucken zu lassen. Besonders in der Gesundheits- und Fitness-Szene sind die „vorher-nachher Bilder“ sehr beliebt. Radikaler Gewichtsverlust, in möglichst kurzer Zeit beeindruckt uns. Wer will schon 2 Jahre warten, bis der Speck weg ist. Das Übergewicht, das über Jahre aufgebaut wurde, muss in ein paar Wochen runter. Dass eine derartig rasante Gewichtsreduktion nur mit einer dramatischen Einschränkung der Nahrungsaufnahme zu erreichen ist, ist naheliegend.

Der verzweifelte Wunsch nach dem Normalgewicht, gepaart mit der voyeuristischen Freude des Fernsehpublikums, übergewichtigen Menschen bei ihrem qualvollen Kampf zu beobachten, erlaubt es, Reality TV Serien, wie „The Biggest Loser“ zu einem erfolgreichen Format zu werden. In einem Set-up, wie es als Studie wohl niemals die Ethikkommission passieren würde, dürfen schwerst übergewichtige Menschen mit Hungerdiät und Trainingsprogramm über Wochen gequält werden.

Am Ende der Staffel können die Teilnehmer tatsächlich mit dramatischen Gewichtsreduktionen aufwarten. Ist ja alles gut, oder? Erin Fothergill und Kollegen haben sich genau diese Frage gestellt. Was passiert danach?

Zur Studie

Es ist bekannt, dass Gewichtsverlust mit einer Abnahme der RMR (resting metabolic rate) einhergeht, und das diese oft größer ist, als das alleine durch den Gewichtsverlust alleine zu erklären ist. Dieser Prozess wird als „metabole Adaption“ oder „adaptive Thermogenese“ bezeichnet.

In einer früheren Studie wurden 14 Teilnehmer der „Biggest Loster“ TV-Show untersucht. Direkt nach dem Ende der Show maßen die Forscher REE, Fettmasse und fettfreie Masse. Die Teilnehmer hatten große Mengen Körperfett verloren, während die fettfreie Masse relativ gut erhalten werden konnte, vermutlich durch das rigorose Trainingsprogramm.

Um die Hypothese zu testen, dass „metabole Adaption“ auch noch Jahre nach dem initialen Gewichtsverlust erhalten bleiben, wurden die selben 13 Teilnehmer 6 Jahre später noch einmal untersucht. Die Ergebnisse wurden im Journal „Obesity“ im März 2016 veröffentlicht. Der Titel des Artikels war: „Persistent metabolic adaptation 6 years after „The Biggest Loser“ competition.”

Die Ergebnisse

 

Das Ergebnis überraschte selbst die Forscher. 6 Jahre nach dem Ende der „Biggest Loser“ hatten alle, bis auf einen Teilnehmer, eine signifikante Gewichtszunahme. 5 Teilnehmer hatten entweder ihr Ausgangsgewicht wieder erreicht, oder es sogar überschritten (41.0 ± 31.3 kg). Die fettfreie Masse blieb über die Jahre relativ stabil (leicht steigen). Um die 80% der Gewichtsveränderung sind auf eine Zunahme von Körperfett zurückzuführen.

Total Energy Expenditure (TEE) war direkt nach der “Biggest Loser” Challenge deutlich erniedrigt (trotz intensivem Sportprogramm). In den folgenden 6 Jahren, stieg TEE zwar wieder leicht an, erreicht aber nicht die Ausgangswerte. TEE = Gesamtenergieverbrauch in 24 h (inkl. aller Aktivitäten)

Resting Metabolic Rate (RMR) fiel im Laufe der „Biggest Loser“ Serie erwartungsgemäß ab. Der Ausgangswert war 2,607 ± 649 kcal/ Tag und am Ende der Challenge sehen wir eine RMR von 1,996 ± 358 kcal/Tag. Jetzt kommt das eigentliche Drama. Trotz einer signifikanten Gewichtszunahme in den 6 Jahren nach „Biggest Loser“, veränderte sich die RMR kaum. Die durchschnittliche RMR nach 6 Jahren lag bei 1,903 ± 466 kcal/ Tag. RMR = Grundumsatz, Energie die in absoluter Ruhe verbraucht wird

Fazit

Das heißt die Armen verbrauchen jetzt (mit beinahe dem gleichen Gewicht wie vorher) um 700 kcal weniger pro Tag!!!! Nach 6 Jahren, hat sich der Metabolismus nicht erholt. Radikale Diäten sind zwar medienwirksam aber selten nachhaltig. Wer sich etwas Zeit lässt, die richtigen Lebensmittel auswählt und ein vernünftiges Sportprogramm wählt, wird zwar länger brauchen, dafür aber das Körpergewicht auch halten können.

 

Link zur Originalstudie

Fothergill, Erin, et al. „Persistent metabolic adaptation 6 years after “The Biggest Loser” competition.“ Obesity (2016).PubMed

Full Text

http://www.rebeccascritchfield.com/wp-content/uploads/2016/05/obesity-biggest-loser-study.pdf

New York Times Artikel

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Julia Tulipan ist Biologin (Mag.) und Personal Fitness and Health Trainer (Dipl.) und schreibt für verschiedene Online-Magazine und für ihr eigenes Blog paleolowcarb.de vor allem zu den Themen gesunde und artgerechte Ernährung und Bewegung. Julia hat selbst lange mit ihrer Gesundheit gekämpft. So wurde ihr Interesse an gesunder Ernährung geweckt. Seither hat sie sich mit Low Carb und der Paleo-Ernährung Stück für Stück mehr Lebensqualität zurück erkämpft. Heute verhilft sie auch als Food-Coach und Personal Trainerin anderen zur Topform. Von Julia kannst Du Dich hier individuell beraten lassen.
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