Exkurs in die Vergangenheit

Paleo bedeutet “alt” und Lithos bedeutet „Stein“. Das Paleolithikum, die Steinzeit, beginnt vor rund 2,5 Millionen Jahren und ist gekennzeichnet durch die Herstellung der ersten Steinwerkzeuge. 1931 entdecken das Anthropologen-Ehepaar, Louis und Mary Leakey, die archäologische Kultur mit den weltweit ältesten Steinwerkzeugen. Sie taufen die Kultur in Anlehnung an Ihrem Fundort, die Olduvai-Schlucht, einem Teil des Ostafrikanischen Grabenbruchs in Tansania, Oldowan-Kultur. Als Produzenten der einfachen Steingeräte gelten die frühen Menschen Homo rudolfensis, Homo habilis sowie Homo ergaster / Homo erectus (Clark.1967). Insbesondere mit Homo habilis wird das Oldowan deswegen in Verbindung gebracht, da im Jahr 1960 in der Olduvai-Schlucht Überreste dieser frühen Menschenform in gleicher Fundebene mit einfachen Oldowan-Werkzeugen entdeckt wurden (Leakey.1971).

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Canto_tallado_2-Guelmim-Es_Semara.jpg?uselang=de
In den folgenden 1,5 MIllionen Jahren werden die verwendeten Werkzeuge immer ausgefeilter und technisch anspruchsvoller. Vor 1,76 Mio. Jahren entstehen die ersten Faustkeile (Acheuléen-Kultur). Hersteller dieser Faustkeile waren verschiedene, gleichzeitig in Ostafrika lebende Homini-Arten. Vor 200 000 bis 250 000 Jahren betritt der moderne Mensch (Homo sapiens) die Bühne. Im Laufe von etwa 100 000 Jahren wird aus dem anfänglich noch recht robusten archaischen Homo sapiens der heute lebende moderne Mensch.

 

Moderne Jäger-Sammler Gesellschaften

Genetisch gesehen ist der heute lebende Mensch, ein steinzeitlicher Jäger und Sammler, angepasst an eine Welt, die sich deutlicher von der heutigen kaum unterscheiden könnte. Anders als sonst, führt die evolutionäre Fehlanpassung nicht zu einem Rückgang des Fortpflanzungserfolges sondern sie wirkt als potenter Faktor für die Entstehung chronischer Krankheiten wie, Arteriosklerose, Hypertension, Diabetes, Krebs, Psychische Erkrankungen, Übergewicht und vieles mehr.

Beobachtungstudien, welche vor allem Anfang und Mitte des Zwanzigsten Jahrhunderts an den wenigen noch lebenden Jäger-Sammler Gesellschaften durchgeführt wurden, zeigten dass diese so gut wie frei von cardio-vaskulären Erkrankungen, Krebs, Übergewicht und anderen sogenannten Zivilisationskrankheiten waren (Eaton. et al. 1988).

Auch wenn sich unsere Gene kaum verändet haben, die Kultur in der wir leben hat sich besonders in den letzten 10 000 Jahren und später mit der industriellen Revolution dramatisch verändert.

Wir essen die Nahrungsmittel zu denen wir Zugang haben. Internationaler Handel und effizientere Transportsysteme haben das verändert. Wir können heutzutage in Österreich Bananen aus Costa Rica essen, in Schweden Kokosnüsse aus Thailand und in den USA Käse aus der Schweiz. Blickt man allerdings zurück so weiß man, dass der prähistorische Mensch nur lokal verfügbares gegessen hat. Dasselbe gilt auch für moderne Jäger-Sammler Gesellschaften. Ihr Speiseplan besteht aus lokalen und saisonalen Nahrungsmitteln. Abhängig von Breitengrad und Klimazone gibt es hier eine große Variabilität, allerdings finden sich auch gewisse Gemeinsamkeiten, die für alle modernen Jäger-Sammler Gesellschaften gelten (Cordain.2002).

 

  1. Präverenz für tierische Nahrungsquellen, wobei bei den meisten mehr als 50% der aufgenommenen Kalorien aus tierischen Quellen stammt.
  2. Keine vegetarische oder vegane Kultur
  3. Kein Getriede
  4. Mäßig bis viel Protein, mäßig bis viel Fett, mäßig bis wenig Kohlenhydrate

 

Aufstellung moderner Jäger-Sammler Kulturen. Entnommen aus Lee, R., Daly, R. 2002. The Cambridge Encyclopedia of Hunters and Gatherers. Cambridge University Press

Hiwi

Lebensraum: Die neotropischen Savannen des westlichen Venezuelas und Ost-Columbien. Diese Region ist geprägt durch extreme saisonale Wechsel, welche die Region landwirtschaftlich nicht nutzbar machen. Das Resultat ist ein diverses Ökosystem mit einer vielzahl essbarer Tiere und Pflanzen, wie Wasservögel, Capybaras, Wild, Gürteltiere, Kaimane und Schildkröten.

Nahrung: Die Hiwi waren hauptsächlich von der Jagd abängig. Folgende Tiere machten den Großtiel der Jagdbeute aus, Wild, Capybara, Gürteltier, Ameisenbär, Fische, Eidechsen, Nabelschweine und Schildkröten. Etwas Honig, Früchte spielten eine untergeordnete Rolle.

Zahlen: 75% tierisch 25% pflanzlich

Ache

Lebensraum Tropische Wälder im OSten Paraquays.

Nahrung: Wild, Honig, Sago (aus einer Palme gewonnene Stärke) und Insektenlarven (Lee.2002).

Zahlen: Fleisch 78%, Wilder Honig 8%, Sago, Insekten, Palmherzen, und Früchte 14%. 90% der erlegten Tiere waren folgende Arten: Gürteltier, Kapuzineräffchen, Nabelschwein, Paka, Nasenbären und Wild.

Sami

Lebensraum: Das Land der Sami wurde früher Sapmi genannt und erstreckte sich vom Norden Norwegens, über Schweden, Finnland und die russische Kola-Halbinsel. Das vorherrschende Klima  ist sub-arktisch bis arktisch mit baumlosen Tundren und Wäldern aus Nadelbäumen. Im 17. Jahrhundert begannen die Sami Rentiere zu züchten, davor waren sie ausschließlich Jäger und Sammler.

Nahrung: Die Sami waren hautsächlich Jäger und Fischer, Pflanzen spielen eine untergeordnete Rolle. Gejagt wurde Rentier, Elch, Bär, Robben, Seehunde, Walross, Lachs und Hase. Gesammelt wurden vor allem alle Arten von Beeren.

Zahlen: nicht bekannt (vermutlich ähnlich den Inuit)

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Inuit

Lebensraum: Die Arktis, sowie Grönland, Alaska und Kanada. Der Lebensraum ist vollkommen ungeeignet für jegliche Form der Landwirtschaft.

Nahrung: Seehund, Robbe, Walross, Karibu, Fische, Muschlen und Meeresfrüchte. Pflanzliche Nahrungsquellen waren Seegras, Algen, Beeren, Wurzeln und vorverdaute Pflanzenreste aus dem Magen erlegter Karibu.

Zahlen: Tierisch 96%+, pflanzliche Nahrung ist marginal (Cordain.2002)

Inuit Jäger mit Bogen

!Kung

Lebensraum: Kalahari Botswana, Namibia und Angola, eine Halbwüste. Die Kalahari ergrünt nach starken Regenfällen und bietet somit zahlreichen Tieren und Pflanzen einen Lebensraum.

Nahrung: Antilope, Giraffe, Hase, Perlhuhn. Pflanzliche Narhung besteht aus Mongongonüsse, Boabob, Beeren, Kalahari Melone ( eine wilde Melonenart ähnlich einer Wassermelone, jedoch wesentlich weniger süß und sehr faserreich), wilde Mangos, diverse Wurzeln.

Zahlen: nach Gewicht (nicht nach Kalorien), 31% tierisch, 28% Mongonüsse, 41% andere Pflanzen.

Hadza

Lebensraum: Nord Tanzania.

Nahrung: Vögel und diverse Säugetiere. Beeren, Wurzeln, wilder Honig und Boabob.

Zahlen: 48% tierisch, 52% pflanzlich. (Marlowe.2010)

Foto: Andreas Lederer

Hadza kehren von der Jagd zurück

Anbarra

Lebensraum: Nord Australia, tropisch, an der Küste.

Nahrung: Hauptsächlich Muscheln und andere Meerestiere, sonst Vögel uns Eidechsen. Wurzeln, Früchte und Samen, ab und zu etwas wilder Honig.

Zahlen: 75%tierisch,  25% pflanzlich.

Onge

Lebensraum: Andaman Inselgruppe, südlich von Indien. Dort lebt eine der letzten beinahe vollkommen isolierte Jäger-Sammler Gesellschaft.

Nahrung: Wildschwein, Dugong (Seekuh, ein riesiges marines Säugetier), Schildkröten, Fische, Schalentiere, Wurzeln, Früchte und Honig.

Zahlen: 79% tierisch, 21% pflanzlich (White)

 

Julien Willem

Dugong

Dies sind nur die Gruppen zu denen es quantitative Daten gibt. Es gibt jedoch hunderte, eher anekdotenhafte Beschreibungen von Anthropologen und Ethnologen, die Jäger-Sammler Gesellschaften beobachtet haben ohne jedoch die genaue Makronährstoffaufteilung erfasst zu haben.

Zusammen mit den quantitativen Daten ergibt sich jedoch ein deutliches Bild, tierische Nahrungsquellen werden pflanzlichen vorgezogen, der Großteil der Gruppen nehmen mindestens 50% oder mehr der Kalorien über erlegte Tiere, Fische, Vögel, Insekten und Eier zu sich.

Die Gemeinsamkeiten

  1. JAGD
    Die Jagd ist ein wichtiges Element jeder Jäger-Sammler Gesellschaft, unabhängig von Breitengrad und Klima in dem sie leben. Je näher man dem Äquator kommt umso größer wird der Anteil pflanzlicher Nahrung.
  2. VON KOPF BIS SCHWANZ
    In allen traditionell lebenden Jäger-Sammler Kulturen wird das ganze Tier gegessen. Je fetter das Teil um so größere Beliebtheit erfreut es sich. Innereien wie Hirn, Herz, Leber, Niere, Schilddrüse und Knochenmark werden zuerst gegessen. Der Großteil der konsumierten Fette ist gesättigtes und einfach-ungesättigtes Fett.
  3. KEINE VEGETARIER ODER VEGANER
    Tiere liefern pro Gramm gesehen die meiste Energie und weise auch oft eine sehr hohe Dichte an bioverfügbare Nährstoffe auf. Pflanzenfresser müssen ständig essen um die notwendige Energiemenge aufnehmen zu können. sie brauchen spezialisierte Verdauungsorgane und auch die entsprechenden Mikroorganismen um an die Nährstoffe und die Energie, die in den Pflanzen steckt heran zu kommen.
    Pflanzliche Nahrung alleine ist für den Menschen einfach nicht ausreichend und das war auch die Realität für mehrere Millionen Jahre menschlicher Evolution.
  4. KEINE INDUSTRIELL VERARBEITETEN PFLANZENFETTE
    Auch wenn Nüsse und Samen bei Kulturen wie den !Kung eine wichtige Rolle spielt, so sind Pflanzenfette aus Mais, Raps, Soja und Co auf keinen Fall Teil der Ernährung.
  5. KEIN INDUSTRIELL VERARBEITETER ZUCKER
    Ungefilterter, wilder Honig ist nicht mit dem Honig, den wir in den Geschäften zu kaufen bekommen vergleichbar. Wilder Honig wie ihn die Ache essen ist voller Larven, Flügel, Bienenbeinen, Dronen, Pollen und anderen nahrhaften Teilen.
  6. KEIN GETREIDE
    Getreide spielt kaum bis eigentlich gar keine Rolle in der Ernährung traditioneller Jäger-Sammler Gesellschaften. Wird Getreide konsumiert, dann hat dieses nichts mit den Hochleistungssorten der westlichen Welt zu tun. Außerdem muss Getreide sehr aufwendig vorbehandelt werden, um es genießbar zu machen. Dies geschieht durch sprossen, einweichen und oder fermentieren.
  7. INSEKTEN
    Überall dort wo Insekten vorkommen sind sie ein äußerst wichtiger Teil der Ernährung von Jäger und Sammler Kulturen.


 

Quellen:

  1. Grahame Clark: The stone age hunters. Thames and Hudson, London 1967, S. 26 f.
  2. M. D. Leakey: Olduvai Gorge, Band 3: Excavations in beds I and II. 1960–1963. Cambridge University Press, 1971, S. 1–8
  3. Eaton SB, et al. Stone agers in the fast lane: chronic degenerative diseases in evolutionary perspective. Am J Med. 1988 Apr;84(4):739-4
  4. Cordain, L. 2002. The paradoxical nature of hunter-gatherer diets: meat-based, yet non-atherogenic. Eur J Clin Nutr. 2002 Mar;56 Suppl 1:S42-52
  5. Lee, R., Daly, R. 2002. The Cambridge Encyclopedia of Hunters and Gatherers. Cambridge University Press. p.93-96.
  6. http://anthropology.ua.edu/bindon/ant476/topics/Foragers.pdf
  7. Marlowe, F. 2010.The Hadza: Hunter-gatherers of Tanzania. University of California Press. LINK
  8. White, N.G. In search of the traditional australian aboriginal diet – now and then.LINK
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Julia Tulipan ist Biologin (Mag.) und Personal Fitness and Health Trainer (Dipl.) und schreibt für verschiedene Online-Magazine und für ihr eigenes Blog paleolowcarb.de vor allem zu den Themen gesunde und artgerechte Ernährung und Bewegung. Julia hat selbst lange mit ihrer Gesundheit gekämpft. So wurde ihr Interesse an gesunder Ernährung geweckt. Seither hat sie sich mit Low Carb und der Paleo-Ernährung Stück für Stück mehr Lebensqualität zurück erkämpft. Heute verhilft sie auch als Food-Coach und Personal Trainerin anderen zur Topform. Von Julia kannst Du Dich hier individuell beraten lassen.
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