Das Polyzystische-Ovarien-Syndrom betrifft zwischen 4 und 12% aller Frauen in Europa im gebärfähigen Alter. Es ist somit die häufigste hormonelle Störung bei Frauen in dieser Altersgruppe.

Die Symptome sind mannigfaltig. Unfruchtbarkeit, starke Regelschmerzen, ausbleiben der Regel, Androgenisierung, Übergewicht und Insulinresistenz um nur ein paar zu nennen[1]. Die Ursachen sind unklar, auch wenn Übergewicht oft eine Rolle spielt, so ist das bei weitem nicht bei allen Frauen der Fall. PCOS tritt auch oft zusammen mit Schilddrüsenerkrankungen auf[2].

Was ist eigentlich PCOS?

Die Ovarien (Eierstöcke) sind paarig angelegt und liegen jeweils links und rechts der Gebärmutter. In den Eierstöcken findet die Produktion der weiblichen Geschlechtshormone und die Reifung der Eizellen statt.

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Schematische Darstellung der inneren weiblichen Geschlechtsorgane mit Gebärmutter (Uterus), Gebärmutterhals (Zervix), Eileitern, Eierstöcken (Ovar) und Vagina.

 

Laut offizieller Definition liegt PCOS vor, wenn zwei der folgenden drei Kriterien erfüllt sind:

  1. Polyzystische Ovarien: 8 oder mehr Zysten in den Eierstöcken. 80% aller PCOS-Patientinnen erfüllen dieses Kriterium. Zysten können mittels Ultraschall festgestellt werden.
  2. Chronische Zyklusstörunge: Dies kann bedeuten, dass der Zyklus länger als 35 Tage dauert oder die Regelblutung vollständig ausbleibt (Amenorrhoe).
  3. Vermännlichung: Durch zu hohen Androgenspiegel kommt es zu Akne und vermehrte Körperbehaarung. Erhöhte LH zu FSH Ratio, niedriges Progesteron und erhöhtes Testosteron.

Ursachen

Während die genauen Ursachen noch nicht gänzlich geklärt sind, zeigt sich doch, dass Insulin und Insulinresistenz eine zentrale Rolle spielt[3]. Insulin stimuliert die ovarielle Androgenproduktion. In diesem Zusammenhang kann man der Insulinresistenz und der erhöhten Insulinproduktion eine Bedeutung in der Entstehung von PCOS zukommen lassen. Insulin erhöht über die Verminderung der Synthese von Sexualhormon-bindendem Globulin (SHBG) in der Leber zudem den Anteil des freien Testosterons und vermehrt damit die Wirkung am Androgenrezeptor.

 

Ist PCOS eine Autoimmunerkrankung?

Kaum ein Arzt weiß, dass PCOS eine Autoimmunkomponente hat. In einem Artikel im European Journal of Endocrinology schreiben die Autoren, dass 43% aller Patientinnen mit PCOS auch an einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse leiden (Hashimoto Thyreoiditis)[4]. Während die Hormone der Schilddrüse bei allen Teilnehmerinnen im normalen Bereich lagen, waren sowohl die durchschnittlichen TSH-Werte, als auch das Auftreten von Werten außerhalb der Normwerte bei PCOS-Patientinnen signifikant erhöht.

Die Bedeutung der Schilddrüse und ihrer Hormone auf die Regulation zahlreicher Organsysteme im Körper ist enorm. Bekannte Effekte einer geschädigten Schilddrüse sind  Veränderungen von Menstruation und Ovulation. In der Frühphase der Schilddrüsendysfunktion, bevor noch andere Symptome auftreten,  können Veränderungen in diesem filigranen Regelkreislauf, zu Störungen der normalen Ovulation führen.

Behandlung

Hinsichtlich der Bedeutung von Insulin und Insulinresistenz, als auch der Autoimmunkomponente, scheint klar, dass bei einem Großteil der Frauen, PCOS eine Lebenstilerkrankung ist. So wie auch andere Autoimmunerkrankungen, ist PCOS eine Krankheit der zivilisierten Welt und bei traditionell lebenden Jäger und Sammlergesellschaften praktisch unbekannt.

Da Insulin und Blutzuckerkontrolle eine wichtige Rolle spielt, ist die Reduktion der Kohlenhydrate und Zucker sicherlich der erste und wichtigste Schritt. Übergewichtige und/ oder Insulinresistente Frauen werden besonders von einer starken Einschränkung der Kohlenhydrate profitieren. Schlanke PCOS Patientinnen kommen meist mit einer weniger strikten LCHF-Ernährung aus. Neben der Reduktion der Kohlenhydrate muss der Fokus auf echten Lebensmitteln liegen, viel frischem Gemüse, guten Fetten und tierischen Produkten. Durch die Autoimmunkomponente ergeben sich noch weitere Einschränkungen. Es sollte, zumindest in der ersten Zeit, eine Low-Carb/Autoimmun-Paleo Programm angewendet werden. Autoimmun-Paleo bedeutet, dass Lebensmittel weg gelassen werden, die bei Menschen mit Autoimmunerkrankungen zu Überempfindlichkeitsreaktionen führen können. Solche Lebensmittel sind zum Beispiel Milch und Milchprodukte, Eier, Nachtschattengewächse und verschiedene Gewürze wie z.B. Senf oder Chili.

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[1] Francisco Álvarez-Blasco, José I. Botella-Carretero, José L. San Millán, Héctor F. Escobar-Morreale: Prevalence and Characteristics of the Polycystic Ovary Syndrome in Overweight and Obese Women. In: Arch Intern Med. 2006 Oct 23;166(19), S. 2081–2086.

[2] Robert J. Norman, Didier Dewailly, Richard S. Legro, Theresa E. Hickey: Seminar: Polycystic ovary syndrome In: The Lancet 2007; 370, S. 685–697

[3] Dunaif, Andrea. „Insulin resistance and the polycystic ovary syndrome: mechanism and implications for pathogenesis 1.“ Endocrine reviews 18.6 (1997): 774-800.

[4] Janssen, Onno E., et al. „High prevalence of autoimmune thyroiditis in patients with polycystic ovary syndrome.“ European Journal of Endocrinology 150.3 (2004): 363-369.

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Julia Tulipan ist Biologin (Mag.) und Personal Fitness and Health Trainer (Dipl.) und schreibt für verschiedene Online-Magazine und für ihr eigenes Blog paleolowcarb.de vor allem zu den Themen gesunde und artgerechte Ernährung und Bewegung. Julia hat selbst lange mit ihrer Gesundheit gekämpft. So wurde ihr Interesse an gesunder Ernährung geweckt. Seither hat sie sich mit Low Carb und der Paleo-Ernährung Stück für Stück mehr Lebensqualität zurück erkämpft. Heute verhilft sie auch als Food-Coach und Personal Trainerin anderen zur Topform. Von Julia kannst Du Dich hier individuell beraten lassen.
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